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Achtsamkeitsimpuls

Ob man will oder nicht − Ängste begleiten einen das ganze Leben hindurch. Deshalb ist es ratsam, sie nicht als Feinde zu sehen und sie zu Freunden zu machen. Denn der Umgang mit Freunden fällt leichter.

von Anton Ladner

 

 

Ja, in der aktuellen Corona-Lage ist die Zeit gut gewählt, um über den Umgang mit Ängsten zu schreiben. Sie machen sich derzeit stärker bemerkbar als auch schon: Angst, nicht rechtzeitig die COVID-19-Impfung zu erhalten, Angst vor Impfungs-Reaktionen, Angst davor, zum kleinen Prozentsatz zu gehören, bei dem die Impfung wirkungslos bleibt, Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Zwangsschliessungen, Angst vor der Zukunft. Es braucht wenig Fantasie für eine Fortsetzung dieser Liste.

Dabei geht leicht vergessen: Ängste begleiten das ganze Leben lang und sie prägen. Es sind die Verzweiflungen in der Kindheit aufgrund der ersten Schrecken, die  Muster formen, später das Leben beschränken und zu einer Therapie drängen. Denn Ängste lassen nicht los. Sie kehren nach einer Flasche Wein, nach einer Woche Ferien, nach neuer Zuversicht zurück. Warum? Weil sie einfach zur Existenz gehören.

Aber dennoch werden sie runtergespielt, ignoriert, verdrängt, betäubt. Mit Ängsten zu leben, in sie einzudringen wird als Schwäche verstanden, als Zeitverlust, obschon sich die Ängste wie Tau am Morgen auf fast alles im Leben legen.

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Deshalb lässt sich eine Angst nicht ablegen. Aus diesem Grund ist es ratsam, sich mit ihr anzufreunden, sie mit ihren zahlreichen Töchtern in das eigene Leben zu integrieren.

Denn Ängste machen einen Teil des Selbst aus, sie gehören zum Ich. Die Heimsuchungen, die Enttäuschungen, das Unvermögen, das Versagen, die Ängste ausgelöst und ihre Spuren hinterlassen haben. Sie wahrzunehmen bedeutet somit, auch die Vergangenheit zu akzeptieren. Es gibt für jede Angst einen Grund, ein Mass und ein Gegenmittel. Aber das kann man nur herausfinden, wenn man sich auf sie einlässt, wie auf eine gute Freundin.

Aus solchen Kontaktnahmen entstehen emotionale Selbstfürsorge, Anteilnahme an sich selbst, Fürsorge für die ängstliche Seite. Mit dieser Wahrnehmung, so paradox es klingen mag, findet eine Versöhnung mit den Ängsten statt. Als Freundinnen werden Ängste weniger belastend, da sie keine bedrohlichen Feinde mehr sind.

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