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volodymyr hryshchenko
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Erfindungsreichtum, Täuschung, Gerechtigkeit und Strategien gehören zu einem Affenleben. Die Intelligenz von Primaten beinhaltet auch Gedankenarbeit.  

von Carl Meissen 

Früher glaubten die Psychologen, dass Denken nur möglich sei, wenn man eine Sprache hat. Heute weiss man, dass auch Tiere denken. Affen können täuschen, was voraussetzt, dass sie darüber nachdenken, was derjenige weiss, den es zu täuschen gilt. Unter Pavianen beansprucht das dominante Männchen die Alleinherrschaft über die Weibchen und behält alle im Auge, indem es ihre Positionen und Aktivitäten überwacht, um Eskapaden zu vermeiden. Dennoch kommt es im Reich der Paviane zu heimlichen Affären. In solchen Fällen zeigt sich das Männchen dem Anführer halb versteckt nur vom Brustkorb aufwärts, um zu vermeiden, dass der Boss dahinterkommt, was da tatsächlich passiert. Dem Chef wird eine Illusion vorgetäuscht, die sexuelle Eskapade bleibt (körperabwärts) getarnt.  

Es gibt Kapuzineraffen, die darauf trainiert sind, eine bestimmte Übung gegen eine Belohnung auszuführen. Sie empören sich, wenn sie nur eine Gurkenscheibe erhalten, während der Artgenosse für die gleiche Übung eine Traube bekommt. Da wird eindeutig über die gerechte Belohnung nachgedacht. Affen bestrafen auch Verstösse gegen soziale Normen, indem Egoisten oder Tyrannen ausgegrenzt werden.  

Lange wurde angenommen, das Verhalten der wilden Tiere sei von dem Instinkt getrieben, ihre DNA zu verbreiten. Die Adoption von Waisenkindern, die es bei allen Affenarten gibt, lässt sich dadurch jedoch nicht erklären. Die weiblichen Primaten sind nämlich von einem starken Drang zur Fürsorge geprägt, wenn sie ein Junges in Not sehen. Bei Schimpansen ist diese Neigung allerdings weniger stark, da sie sehr wettbewerbsorientiert sind. Asiatische Languren, die in Gruppen enger Verwandter leben, nehmen sich derweil leidenschaftlich Waisenkindern an. Bei ihnen ist diese Geste nicht ganz uneigennützig, denn indem sie dem Waisenkind einer Schwester oder eines Cousins helfen, verbreiten sie ein wenig ihre eigene DNA. 

Ein weiteres Verhalten, das dem reinen Instinkt widerspricht, weil es die Verbreitung der eigenen Gene sicher nicht begünstigt, ist die Homosexualität, die bei Affen sehr verbreitet ist. Denn die Sexualität bei Affen dient wie auch bei Menschen nicht nur der Fortpflanzung. Sie ist bei den Affen auch ein Mittel zur Bildung von Allianzen. Wenn ein untergeordneter männlicher Makak die Gunst des Anführers gewinnen will, kommt es vor, dass er sich als Sexualpartner anbietet. 

Unter Affen ist das stärkste und aggressivste Männchen in der Regel der Anführer. Bei den Schimpansen hingegen wird zum Anführer, wer durch eine Politik der Bündnisse mit anderen einflussreichen Mitgliedern der Gruppe auf deren Unterstützung zählen kann. Schimpansen haben auch die kognitiven Fähigkeiten, ihre Gedanken auf symbolische Weise auszudrücken. Sie können zum Beispiel eine vereinfachte Zeichensprache lernen, brauchen sie aber nicht, um zu überleben. Denn in der Natur wird nur entwickelt, was zum Überleben dient. 

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