Kundendienst: Tel. 056 203 22 00 kundendienst@diemedienag.ch
Achtsamkeitsimpuls
  • Facebook
  • Twitter

Achtsamkeitsimpuls

Abfinden oder zu einer Veränderung aufbrechen  das sind zwei Lebenskonzepte, die zwischen fortdauern oder bewusst leben entscheiden. Zum Jahresende hin ist es eine besonders gute Zeit, sich darüber Rechenschaft zu geben. 

von Anton Ladner 

Nennen wir ihn hier Werner. Er arbeitet auf einer Grossbank und seine Visitenkarte beeindruckt mit den aufgeführten Abschlüssen. Dennoch ist Werner mit seiner Arbeit unglücklich. Sein sehr gut bezahlter Job findet in einem so eng abgesteckten Feld statt, dass keine Selbstverwirklichung mehr möglich ist. Denn er muss die vorbestimmten Prozesse einfach auf die neuen Fälle anwenden – alles geht nach Schema, ohne Raum, sich persönlich einbringen zu können. Seine Bewältigungsstrategie ist deshalb darauf ausgelegt, die Freizeit optimal zu geniessen. Aber diese Strategie behebt nicht, was seine Notlage verursacht. Seit Jahren schon steckt Werner in dieser Art von Bewältigung. Seit einiger Zeit verliert diese Rettungsweste jedoch an Tragkraft. Er ist sich bewusst, dass er sich nur im Kreis dreht. 

Eine andere Massnahme wäre eine aktive Bewältigung, nämlich seinen Stressor durch ein neues Verhalten zu kontrollieren. Aktive Bewältigungsstrategien helfen, Herausforderungen direkt anzugehen, anstatt nur zu versuchen, mit dem Stress fertig zu werden. Um herauszufinden, was man wirklich braucht, muss man sich bewusst werden, was stresst und unglücklich macht. Konkret, was man kontrollierten möchte, damit ein anderer Verlauf daraus resultiert. Werner möchte mehr Selbstwirksamkeit, sich stärker einbringen können, mehr gestalten, stärker prägen. Doch das ist auf einer Grossbank kaum möglich und in seinem derzeitigen Aufgabenfeld schon gar nicht. Er steht somit vor der Frage, ob er sich weiter damit abfinden oder zu neuen Ufern aufbrechen soll. Er weiss nämlich, dass es Besseres gibt, aber das wäre mit einem finanziellen Abstrich verbunden. Der üppige Bonus ist deshalb für ihn längst zu einer Art Schmerzensgeld geworden. 

Der erste Schritt zur Umsetzung der aktiven Bewältigungsstrategie ist der schwierigste. Oft zögert man, weil fixe Ideen und Gedankenmuster blockieren. Es gilt, herauszufinden, wie wahr diese Gedanken tatsächlich sind. Zum Jahresende hin ist es eine besonders gute Zeit, diese Denkprozesse zu hinterfragen. Ist es für Werner wirklich bequemer, dort zu bleiben, wo er ist? Wahrscheinlich nicht, sonst würde er sich nicht nach einer Veränderung sehnen. Unbehagen ist oft die Art und Weise, wie der Verstand mitteilt, dass es an der Zeit ist, etwas zu verändern.

Share This