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Achtsamkeitsimpuls

Das Wort Sucht wiegt schwer und weckt viele negative Gedanken. Doch die kleinen Abhängigkeiten haben eine süsse Seite. Sie bedingen oft eine soziale Verknüpfung mit schönen Seiten.

von Anton Ladner

 

 

Das Wort Sucht ist in der Regel direkt mit einer Gesundheitsgefährdung verbunden. Die Alkoholsucht zerstört die Leber, die Nikotinsucht die Lunge, der exzessive Smartphone-Konsum die Augen, die Medikamentensucht den Kopf. Wer süchtig ist, erscheint deshalb als gefährdet. Diese Wahrnehmung verführt zur kollektiven Meinung, in einer Abhängigkeit das Ergebnis einer schlechten Entwicklung zu sehen. Eine Abhängigkeit gilt deshalb schnell als Übel.

Rituale
Es gibt aber kleine, süsse Abhängigkeiten, die aufbauen, helfen, ermutigen. Die harmloseste Form einer solchen Abhängigkeit ist das Ritual. Ein Kamillentee vor der Bettruhe, ein Gin Tonic jeweils am Freitagabend, Rotwein zum Essen am Wochenende usw. Gewohnheiten oder eben Abhängigkeiten, auf die man sich freut und die auch ein Wohlsein generieren.

Aber jeder Mensch hat auch angeborene Abhängigkeiten: als Baby nach Wärme, zärtlicher Umsorgung, Wohlwollen. Das sind Seelenzustände, die prägen und den Menschen in unterschiedlicher Form durchs Leben begleiten.

Spirituelle Selbstfürsorge
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Kam es damals zu Defiziten, resultieren Kompensationen im Erwachsenendasein, die durch Willenskraft nicht zu bändigen sind. Als Erwachsener wird man nie frei von diesen Abhängigkeiten damals, auch wenn man das Gegenteil glaubt. Es ist deshalb eine gute Wahl, Abhängigkeiten wohlwollend zu pflegen. Besonders in der Liebe. Sie hat viel mit positiver Abhängigkeit zu tun, mit dem aufbauenden Ausgeliefertsein, mit Eingestehen von Ängsten und Schwächen.

Sonderbarerweise meiden viele Menschen mit viel Energieaufwand diese Abhängigkeit. Sie sträuben sich, wahrzunehmen und einzugestehen, von einem Menschen abhängig zu sein, als sei das der Beginn eines Übels. Dabei wäre es der Beginn von mehr Tiefe. Von einem Menschen abhängig zu sein, bedeutet noch lange keine Selbstaufgabe. Manchmal ist es sogar eine Selbstfindung. Gleich wie bei süssen Abhängigkeiten von einem Lieblingstee, einem Deo, einem Badesalz oder einer Italienreise.

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