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Natürlich mit Holz

Klimawandel, Ressourcenknappheit und Bevölkerungswachstum verlangen die Umstellung auf eine nachhaltige und kreislauforientierte Wirtschaftsform. Die Baubranche verfügt diesbezüglich über einen grossen Hebel. Gehen doch über 40 Prozent des schweizerischen Energiebedarfs auf das Konto der Gebäude. Die Branche verändert sich aber sehr langsam und auch die Digitalisierung geht in vielen Bereichen nur schleppend voran. Der Holzbau hingegen ist gut auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet und bietet bereits heute praktikable und zukunftsfähige Lösungen.  

Wir stehen bei der Digitalisierung des Bausektors wohl erst am Anfang einer neuen Planungsära. Der Holzbau eignet sich bestens für eine integrierte digitale Planung, die bereits heute Realität ist. Ähnlich wie in der Autoindustrie ermöglicht die industrielle Vorfertigung einen effizienten Ablauf. Es werden Holzelemente für Wände, Böden und Decken in der Werkhalle vorgefertigt. Die Vorteile sind Terminsicherheit, eine hohe Qualität und eine kurze Bauzeit das spart Kosten und vermeidet Überraschungen im Bauprozess. Zahlreiche Holzbauer tätigten in den letzten Jahren grosse Investitionen, um die digitale Planung und Produktion im eigenen Betrieb voranzubringen.  

Bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 spielt der Gebäudepark eine wesentliche Rolle. Mit Holz lässt sich die CO2-Bilanz eines Gebäudes massiv verbessern. Holz bindet CO2, während Beton grosse Mengen davon abgibt. Holzbauten sind im Vergleich günstiger, wenn man die graue Energie, also den Energieeinsatz aller angewandten Produktionsprozesse, mit einberechnet. Holz wächst einfach nach – ganz natürlich – ohne weitere Energiezufuhr und ist lokal verfügbar. Um die Klimaziele zu erreichen, führt kein Weg am Holzbau vorbei. Aber auch biobasierte Materialien, neue Bautechniken und Systeme könnten die Bauwirtschaft in Zukunft voranbringen 

Behaglichkeit und Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden haben nicht erst seit der Coronakrise an Bedeutung gewonnen. Mehr Nachhaltigkeit, ein bewussteres und gesünderes Leben helfen uns, den anhaltenden Veränderungen standzuhalten. Auch die Immobilienentwickler werden immer stärker in die Pflicht genommen, «gesündere» und lebensnahe Lösungen anzubieten. Die Materialisierung ist dabei sicher auch ein wichtiges Thema. Mit Holz ist viel Lebensqualität verbunden – Holz riecht gut, fühlt sich gut an. Das sinnliche Material sorgt für ein angenehmes und gesundes Raumklima, fördert das Wohlbefinden und geniesst daher eine hohe Sympathie, was verschiedene Studien beweisen 

Die Argumente für den nachwachsenden Baustoff liegen also auf der Hand. Um Veränderungen voranzutreiben, müssen Anreize, unterstützende Massnahmen und Gesetzesänderungen geschaffen werden. Das neue CO2-Gesetz geht in die richtige Richtung. Auch das revidierte Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen ist eine grosse Chance, die Bauwirtschaft nachhaltiger auszurichten. Der Zuschlag geht in Zukunft statt an das «wirtschaftlich günstigste» an das «vorteilhafteste» Angebot.

Auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga engagiert sich für den Holzbau und unterstützt als Patronatin den Prix Lignum, den Preis für zukunftsweisendes Bauen mit Holz. Die ausgezeichneten Projekte sind Botschafter einer klimafreundlichen Wirtschaft und ein Bekenntnis zu einem der wenigen erneuerbaren Rohstoffe der Schweiz. Der Holzbau wird sich weiter etablieren. Es ist zu hoffen, dass er bald zu einer Selbstverständlichkeit wird 

 

Gabriela Schlumpf ist Direktorin von Holzbau Schweiz.

 

In dieser Rubrik wirft jede Woche eine prominente Persönlichkeit einen achtsamen Blick auf die Schweiz und beschreibt aus ihrer Sicht, was zählt. Diese Meinung muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

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