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«Viele werden ausgebeutet»

Nepal gehört zu den ärmsten Ländern weltweit. Besonders drückend ist die Armut auf dem Land und in den Bergtälern. Die meisten Menschen dort sind Bauern, doch viele haben nur wenig Land. Zudem erschweren die topografischen und klimatischen Bedingungen den Ackerbau. Meistens reichen die Erträge nicht zum Leben. Das zwingt die Männer, in der Hauptstadt oder im Ausland Arbeit zu suchen. Kinder gehen nur ein paar Jahre zur Schule, dann müssen sie zum Familienunterhalt beitragen. Auch viele Mädchen im Teenie-Alter verlassen ihr Dorf und suchen Arbeit in der Stadt. Die wenigsten von ihnen haben eine Identitätskarte und das wird ihnen zum Verhängnis. Ohne dieses Dokument haben sie weder Zugang zum legalen Arbeitsmarkt noch zu Sozialleistungen. Die Mädchen landen meistens im Unterhaltungssektor der Hauptstadt Kathmandu: in Bars, anrüchigen Restaurants, Nachtclubs oder versteckten, bordellähnlichen Gasthäusern. Dort fragt niemand nach einem Ausweis.

 

Allerdings sind sie Arbeitgebern schutzlos ausgeliefert. Viele werden ausgebeutet, sei es als Arbeitskraft oder sexuell. Manchmal passiert dies auch in Privathaushalten. Mit dem leidvoll verdienten Geld versuchen die Mädchen, ihre Familien im Dorf zu unterstützen. Diese ahnen nur selten, wie schlecht es ihrem Kind geht.

Aus Scham und Angst vor Ablehnung sagen die Mädchen den Angehörigen nichts von ihrer Not. Viele wissen weder ein noch aus und betäuben ihren Schmerz mit Alkohol oder billigen Drogen – oder verletzen sich selbst. Allein in Kathmandu sollen bis zu 50 000 Mädchen in einer so notvollen Lage sein. Hilfsangebote gibt es, aber viel zu wenige.

Achtsamer Blick
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Betroffen von der Not all dieser Mädchen, hat die Christliche Ostmission im Oktober in Kathmandu ein Hilfszentrum eröffnet. Opfer von Ausbeutung und Menschenhandel bekommen dort psychologisch-medizinische und juristische Hilfe sowie die Chance auf eine Ausbildung und einen Neuanfang. Unsere Mitarbeiterinnen besuchen Mädchen an ihrem Arbeitsort, knüpfen Beziehungen und schaffen Vertrauen. Parallel dazu bauen sie ein Netzwerk von Fachleuten auf, um die Opfer kompetent zu unterstützen, zu beraten und zu begleiten. Möge Gott viele Türen öffnen, dem Mitarbeiterteam Weisheit geben und die Herzen der traumatisierten Mädchen berühren, damit sie aus dem Elend herausfinden.

Gallus Tannheimer, Missionsleiter der christlichen Ostmission in Worb

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