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Achtsamkeitsimpuls

Wer sich ab und zu vom Geist heimsuchen lässt, lebt reicher. Denn der Geist überschreitet Kulturen und Denkordnungen. Er vermittelt eine Freiheit, die auch die Alterität erschliesst – ein weiterer Gewinn.

von Anton Ladner

 

 

«Ich verstehe unter Geist die Kraft der Seele, welche denkt und Vorstellungen bildet», erklärte Aristoteles. Und Heinrich Mann gab zu bedenken: «Solange es menschliche Gesellschaften gibt, haben sie ihren gefährlichsten Feind im Geist gesehen.» Beim Geist geht es um das Wahrnehmen und Lernen, aber auch um das Erinnern, um die Vorstellungen, um die Fantasie. Der Geist ist also immer aktiv. Kann man sich deshalb überhaupt vom Geist heimsuchen lassen?

Neurowissenschaft
Über den Geist nachgedacht wurde in allen Epochen. Diese Debatte belebte die Neurowissenschaft in den 1960er-Jahren intensiv, als der Geist auf das Gehirn reduziert wurde. Da öffnete sich die Schere, denn nach Meinung vieler Philosophen hat der Geist eben viele Eigenschaften, die sich nicht durch Naturwissenschaften erklären lassen.

Fazit: Der Geist bleibt ein Phänomen. Es heisst, der Geist wehe, wo er wolle. Das ist das Spannende an ihm. Deshalb sollte man sich ihm aussetzen und sich anwehen lassen, eben heimsuchen lassen.

Spirituelle Selbstfürsorge
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Das tut schon allein deshalb gut, weil er die Gegenwelt zu den sichtbaren Dingen ist, die uns ständig umgeben, absorbieren und in Sorgen saugen. Der Geist beflügelt den Menschen, um mit Distanz über dem Hier und Jetzt Kreise zu ziehen, um mit den Flügeln für ferne Destinationen wie Hoffnungen, Sehnsüchte oder Fantasien abzuheben. Die Heimsuchung des Geistes kann deshalb die Einladung zu einer kognitiven Reise sein, von der man gelassen, heiter und geklärt zurückkehrt.

Und der Geist befähigt zur Alterität – eine grossartige Sache. Denn die eigene Identität wird immer in Abgrenzung zum Anderen hergestellt. Das Andere wird deshalb negativer gesehen als das Eigene. Deshalb lässt man sich ungern auf das Andere ein. Dadurch bleibt viel vom Leben ausgeklammert, vor allem neue Erfahrungen, die weiterführen. Der Geist ermöglicht diese Ausflüge ins Andere, in interkulturelle Verschiedenheiten, ohne die eigene Identität zu riskieren.

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