Kundendienst: Tel. 056 203 22 00 kundendienst@diemedienag.ch
Achtsamkeitsimpuls
  • Facebook
  • Twitter

Achtsamkeitsimpuls

Spiritualität ist ein tiefes Bedürfnis der Menschen seit Generationen. Wer sich darauf einlässt, lebt besser, denn Spiritualität ist im Nervensystem angelegt. Sie ist offenbar eine neurologische Notwendigkeit.

von Anton Ladner 

 

 

Michael Ferguson ist Dozent für Neurologie an der Harvard Medical School. Er hat sich dabei auf Neurospiritualität spezialisiert. Seine Forschung umfasst die Entwicklung von Methoden für die Erfassung von Hirnschaltkreisen mit speziellen Anwendungen in den Bereichen Gedächtnis und Spiritualität. Ferguson gilt als international führend bei der Verbindung von Neurowissenschaften und Spiritualität, was er als Neurospiritualität bezeichnet.

Das Bedürfnis nach Spiritualität ist laut Ferguson im ältesten Teil des Gehirnes angelegt. Es wird als zentrales Höhlengrau bezeichnet und ist entscheidend für die Schmerzunterdrückung und für die Koordination von Angst- und Fluchtreflexen. Dass dieser Bereich auch die Spiritualität der Menschen regelt, ermittelte Ferguson durch Interviews mit Patienten, die an Hirnregionen operiert wurden, die mit dem Höhlengrau in Verbindung stehen. Sein Ergebnis: Je stärker das zentrale Höhlengrau durch eine Operation in Mitleidenschaft gezogen wird, desto geringer das Interesse an Spiritualität. Die Folge daraus ist eine rationale Betrachtung der Welt. Die intuitive und spirituelle Deutung nimmt zugunsten einer logischen Herleitung ab. Mit anderen Worten: Wenn die Aktivität des zentralen Höhlengraus eingeschränkt wird, übernimmt die Logik. Damit steht für Ferguson fest, dass Spiritualität und Rationalität in einem Spannungsfeld funktionieren. Aber die Impulse aus dem zentralen Höhlengrau haben von der Anlage her Vorrang. Die Logik ist ein Ersatz.

Die Sehnsucht nach spiritueller Erfahrung ist somit in den Menschen neurologisch angelegt. Früher bedienten die Kirchen das Bedürfnis allumfassend. Heute werden Alternativen gesucht, der Trend liegt im Ausprobieren. Die spirituelle Sinnsuche erfasst die Menschen wellenweise, ausgelöst durch die jeweiligen Lebensbedingungen, was mit einer Bereitschaft für neue Erfahrungen Hand in Hand geht. Sich darauf einzulassen hat dabei vor allem mit Selbstfürsorge zu tun. Denn für ein rundes Leben gilt es auch, eine spirituelle Heimat zu bewohnen, einen geistigen Rückzugsort, eine Insel für Abstand und Kraft.

Share This