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Anne Challandes
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Mein achtsamer Blick:

 

Izabel Barros
Programmverantwortliche Friedensarbeit
von cdf, Christlicher Friedensdienst

Kein Frieden ohne Care-Arbeit

Die Coronapandemie hat, wie ein Brennglas, weltweit gezeigt: Was uns das Überleben von Krisen erlaubt, ist die Care-Arbeit. Die Pandemie hat auch offengelegt, dass Frauen den Löwenanteil davon schultern. Die Pflege- und Betreuungsarbeit bietet also täglich den sozialen Kitt, der Gesellschaften zusammenhält. Als solche ist Care-Arbeit unersetzliche Friedensarbeit. Trotzdem sind ein Grossteil der Care-Arbeiterinnen und -Arbeiter sozialer und wirtschaftlicher Unsicherheit ausgesetzt und werden in Beratungs- und Entscheidungsbereichen oft systematisch ignoriert.  

Solange die Care-Arbeit grösstenteils an Frauen ausgelagert wird, bleibt jedes Engagement zur Partizipation von Frauen ein Lippenbekenntnis. Die Schweiz hat sich aber genau dazu bekannt. Die UNO-Sicherheitsratsresolution 1325 zu «Frauen, Frieden und Sicherheit» fordert unter anderem, dass Frauen sich aktiv an Friedensprozessen beteiligen können. Afghanistan ist ein anschauliches aktuelles Negativ-Beispiel dafür, was passiert, wenn Sicherheit nur militärisch definiert wird und Frauen von Friedensverhandlungen ausgeschlossen werden. 

Die Schweiz setzt die UNO-Resolution 1325 zurzeit in einem vierten Nationalen Aktionsplan (NAP) um. Diese Umsetzung wird von der Zivilgesellschaft kritisch begleitet, damit die vorhandene praktische Expertise in die offizielle Politik einfliessen kann.

Nach 18 Monaten Forschung und Konsultationen ist für die drei zivilgesellschaftlichen Organisationen klar: Die Care-Arbeit muss zukünftig im Mittelpunkt der Friedensförderung und der internationalen Zusammenarbeit stehen. Zurzeit werden in diesen Bereichen Projekte ausgearbeitet und finanziert, ohne die Care-Ökonomie mitzudenken.  

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Die UNO-Resolution 1325 kam nur dank dem jahrelangen Lobbying der feministischen Zivilgesellschaft zustande. Diese hatte nie zum Ziel, den Krieg für Frauen sicherer zu machen, sondern allen ein würdiges Dasein zu sichern, frei von jeglicher Angst und Not. Kurzum: die Wahrung der Menschen- und Frauenrechte als beste Konfliktprävention.  

Da wir aber auch in der Schweiz weit weg von diesem Idealzustand sind, kann die UNO-Resolution 1325 nicht weiterhin nur aussenpolitisch verfolgt werden. Ähnlich wie Kanada sollte auch die Schweiz anerkennen, dass Frauen und weitere minorisierte Gruppen täglich verschiedene Formen von Gewalt erleben. Deshalb muss die Schweiz in einem nächsten Schritt die Resolution auch innenpolitisch verankern. Nur wenn sie «Frauen, Frieden und Sicherheit» auch in den eigenen Grenzen verfolgt, wird die Schweiz dem ursprünglichen transformativen Ansatz der Resolution gerecht.

Izabel Barros, Programmverantwortliche Friedensarbeit von cdf, Christlicher Friedensdienst 

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