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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Das Produktivitätsdenken dominiert das Leben seit Erfindung des Internets, das uns über Zeit und Raum hinweg verbindet und überall das Arbeiten ermöglicht, noch intensiver. Das macht zur Geisel des Ehrgeizes, zur Geisel von Zukunftsprognosen und zur Geisel von Ansprüchen, die man noch nicht erfüllt hat.

von Anton Ladner

 

 

Knappheit und Produktivität: Das sind die zwei Pole, in deren Spannung der Mensch lebt. Man kann nie genug haben, und deshalb sollte man immer arbeiten, um mehr zu produzieren. In seinem neuesten Buch «Work: A Deep History, From the Stone Age to the Age of Robot» (Arbeit: Eine Geschichte von der Steinzeit bis zum Roboter-Zeitalter) geht der Anthropologe James Suzman diesem Empfinden nach.

Er studierte dazu die indigene Bevölkerung des südlichen Afrikas. Der Übergang von der Sammlergemeinschaft zur Agrargesellschaft führte laut Suzman langsam zur heutigen Produktivitäts-Besessenheit.

Jäger und Sammler
Sie veränderte das Verhältnis zur Zeit, Geschichte, aber auch die Beziehungen der Menschen untereinander grundlegend. Laut James Suzman hatten die Jäger und Sammler eine Arbeit, die sie direkt ernährte, was sie als sehr befriedigend empfanden.

Diese Arbeit beanspruchte sie um 15 Stunden in der Woche und fesselte Herz, Seele, Verstand, Körper und Nerven. Wer kann das heute von seiner 40-Stunden-Arbeitswoche behaupten?

Spirituelle Selbstfürsorge
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In der Landwirtschaft wurde die Arbeit neu zur neuen Tugend. Wer nicht arbeitete, verlor Zeit auf dem Feld, was sich rächte. Wenn es nicht genug regnete, musste man Wasser organisieren. Wenn sich Käfer ausbreiteten, musste man sie einsammeln. Daraus wurde schnell ein Kampf gegen Knappheit. Man erzeugt Überschüsse, um das Risiko einer Knappheit zu mindern. Heute sind die Menschen bereit, ihr ganzes Leben einzusetzen, um mehr Geld zu erwerben, als sie jemals ausgeben können. Fazit: In der saturierten Gesellschaft herrscht die Psychose der Knappheit.

Die Ju/’hoansi, eine afrikanische Sammlergemeinschaft wie vor 200 000 Jahren, bei denen Suzman lebte, dominiert ganz das Hier und Jetzt, losgelöst von der Zeit. Dadurch sei niemand bei den Ju/’hoansi eine Geisel von Ambitionen, so Suzman. «Ich will sein», sei die Grundhaltung und nicht «Ich muss an diesen oder jenen Punkt kommen». Hier beginnt die spirituelle Selbstfürsorge: Zu ergründen, was man sein will, und nicht, was man noch produzieren muss, um diesen oder jenen Anspruch zu realisieren. Denn auch mit dem realisierten Anspruch bleibt die Frage offen, was man sein will.

 

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