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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Der Druck ist gross, das zu sein, was andere erwarten. Der Jahreswechsel ist eine gute Zeit, sich darüber bewusst zu werden, wo man diesem Druck Widerstand leisten will, um authentischer zu werden. Das gibt dem Leben Sinn. 

von Anton Ladner 

Nicht nur im Berufsleben haben viele Menschen Masken aufgesetzt. Das geschieht selten aus böser Absicht, sondern aufgrund gesellschaftlicher Konventionen, in der Annahme, es gehe nicht anders. Im Innersten spürt man dabei aber, dass man mehr Freude und Leidenschaft empfände, wenn man offen ausleben könnte, was man wirklich will. Man erlebt auch eine tiefere Verbindung, wenn man frei von der Seele sprechen kann. Doch diese Momente sind selten, weil die Maske in der Regel aufbleibt. Man meint, etwas sein zu müssen, was man gar nicht ist. Das geht auf Kosten der eigenen Authentizität und hat einen hohen Preis. Wer sich auf sein wahres Ich besinnt, hat zum Beispiel mehr Freude an seiner Arbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie niederländischer Psychologen der Universität Utrecht. Sie untersuchten die Authentizität von Beschäftigten und stellten fest, dass sie direkt mit der angegebenen Arbeitszufriedenheit zusammenhängt.  

Ein grosses Hindernis für ein authentisches Leben ist die Konsumkultur. Sie setzt permanent unter Druck, mehr zu haben, Fortschritte durch neuen Besitz zu zeigen und sich auf materielle Güter zu fokussieren. Mehr Authentizität bedeutet derweil, die Freiheit zu wählen, das Leben so zu leben, dass die wirklichen Bedürfnisse erfüllt werden. 

Der Impuls, nicht authentisch zu sein, beruht auf der grundlegenden Angst, abgewiesen zu werden, weil man mit seiner Umgebung verbunden sein will. Eine richtige Verbindung stellt sich aber erst ein, wenn man ganz man selbst ist. Da hilft am Abend die Frage weiter, was man getan oder gesagt hat, das nicht dem wahren Ich entsprach – eine Schule der kritischen Selbstbetrachtung. Familiäre, generationsbedingte und gesellschaftliche Konditionierungen werden schon in jungen Jahren auferlegt. Das beeinflusst die Beziehungsmodelle und politische Einstellung, entspricht aber oft nicht der innersten Neigung. Wer authentischer leben will, muss deshalb bereit sein, nach seinem wahren Selbst zu graben und alte Muster zu hinterfragen. Konditionierungen sind Formen, die man lebt, ohne dass sie dem inneren Kern entsprechen. Dann resultiert daraus eine Diskrepanz zwischen den Handlungen und den inneren Überzeugungen, man fühlt sich nicht wohl, nicht verbunden – eben nicht authentisch. Eine Studie der Universität Columbia in New York hat ergeben, dass Nutzer sozialer Medien, die eine Woche lang authentisch gepostet haben, ein deutlich höheres Mass an Wohlbefinden, guter Stimmung und positivem Affekt aufwiesen als Nutzer, die selbstverliebte und somit unehrliche Posts verfassten. Die Suche nach höheren Zielen treibt den Menschen an. Authentischer zu werden ist wohl das am stärksten Sinnstiftende. 

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