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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Selbstlosigkeit bedeutet, dass man bereitwillig das Leben eines Mitmenschen etwas aufhellt. In der Regel ist es eine Hilfe, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ist die Selbstlosigkeit auch ein Weg zur spirituellen Selbstfürsorge?

von Anton Ladner 

 

 

Es ist einfach schön, zu anderen nett zu sein – besonders in der Adventszeit. Die britische Psychotherapeutin Lucy Beresford rät, wenn man in einer Schlange für einen Kaffee oder ein Sandwich anstehe, gleich auch für die Person, die direkt dahinter ansteht, zu bezahlen. Das beinhaltet gleich zwei Risiken. Man weiss nicht, wie teuer das kommen kann, und auch nicht, wie die Person darauf reagiert. Aber bei grossen Risiken kann der Gewinn auch hoch ausfallen. Konkret: Freude, ein kurzes Gespräch und dadurch ein Schub an guten, lang anhaltenden Gefühlen. Wer sein Geld oder seine Zeit zur Verfügung stellt, kommt mit anderen Menschen in Schwung. Was hat das mit spiritueller Selbstfürsorge zu tun? Es geht dabei darum, sich für eine kurze Zeit zu vergessen. Die Möglichkeiten, eigene Gedanken, Emotionen und Wünsche hinter sich zu lassen und über das nachzudenken, was einem Mitmenschen dient, eröffnet eine neue Dimension. Es ist praktizierte Selbstlosigkeit, die stärkt, obschon man weggibt. Teilen führt zu einem positiven Gefühl, von dem alle Beteiligten profitieren. Eine Kerze verliert nichts, wenn sie eine andere Kerze anzündet.

Studien haben gezeigt, dass sich jeder dritte ältere Mensch einsam und isoliert fühlt, insbesondere in den strengen Wintermonaten. Wenn man sich die Zeit nimmt, mit einem älteren Nachbarn zu plaudern, hat das für beide Seiten eine positive Auswirkung. Man kann auch sein Know-how, seine Erfahrungen weitergeben und dadurch Mitmenschen am Arbeitsplatz unterstützen. Altruismus erweist sich fast immer als Stimmungsaufheller. Eine im Journal of Individual Differences veröffentlichte Studie belegt, dass zufällige freundliche Taten mit einem grösseren Glücksgefühl bei denjenigen einhergehen, die die gute Tat vollbracht haben. Ein Nebenprodukt der Grosszügigkeit besteht zudem darin, dass andere einem mehr zurückgeben wollen. Deshalb schlägt die britische Psychotherapeutin Lucy Beresford vor, jeden Tag einer beliebigen Person zu helfen. Um selbstloser zu werden, muss man sich aber auf sich konzentrieren, sich wahrnehmen in der Umgebung, um für die Mitmenschen da zu sein. Das klingt etwas paradox, aber es verhält sich gleich wie bei der Nächstenliebe – sie setzt die Selbstliebe voraus.

 

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