Kundendienst: Tel. 056 203 22 00 kundendienst@diemedienag.ch

Wenn Kontakte eingeschränkt sind, nimmt das Bedürfnis zu, angehört zu werden. Gute Zuhörer, die dafür nicht bezahlt werden, sind aber dünn gesät. Wie wird man für seine Umgebung ein guter Zuhörer?

von Anton Ladner

Man hat ja so seine Erfahrungen und Ahnungen. Wenn man aber einmal ganz bewusst sein Gegenüber auf die Probe stellt, kann das Ergebnis sehr ernüchternd sein. Man muss feststellen, dass ab einem relativ schnell eintretenden Punkt nur gequält zugehört wird, dass es eigentlich ein Wettlauf ist um Redezeit. Die Zahl der Menschen, die angehört werden wollen, ist um einiges grösser als die jener, die zuhören möchten. Das ist grundsätzlich eine schlechte Ausgangslage. Und von jenen, die besonders gerne auf Sendung sind, gibt es unterschiedlichste Ausprägungen.

Laut dem Sprachpsychologen Theo Hermann bedeutet zuhören, geistig aktiv und motorisch passiv zu sein. Die meisten meinen, das recht gut zu können, und bezeichnen sich als gute Zuhörer. Tatsache ist aber das Gegenteil. Die interaktive Kommunikation ist heute der Massstab. Hören genügt, gut zuhören muss man nicht mehr, weil die Aufmerksamkeit geteilt sein will (mobile Anrufe, Mails, WhatsApp, SMS, kurz Präsenz auf allen Kanälen). Wer nicht gut zuhören will, verschenkt aber viel.

Denn beim Zuhören geht es um mehr als nur Informationen, schliesslich sind die Inhalte auf Zwischenebenen manchmal aussagekräftiger als die Worte, was das Zuhören zu einer spannenden Reise in die Seele des Gegenübers macht. Dabei entsteht Mitgefühl, was nicht eine Last sein muss, sondern auch zu einer Erleichterung führen kann. Sich im Mitmenschen zu relativieren hat nämlich oft eine entlastende Wirkung. Aktiv zuhören wird so nicht zu einem Verzicht, sondern zu einem Gewinn.

Aber wie wird man eine gute Zuhörerin oder ein guter Zuhörer? Indem man aktiv zuhört und sich dafür interessiert, was man hört, ohne es mit Erlebtem aus der eigenen Welt zu ergänzen. Dann braucht man auch nicht nachzudenken, wie man das Gehörte ergänzen könnte, was Energie für das Gegenüber freihält. Aber viele warten dann nur noch darauf, den Faden aufzunehmen, und beginnen von sich zu erzählen, statt einfach weiter zuzuhören. Gut zuhören hat mit sich zurücknehmen zu tun, mit Gefäss werden für den anderen. In der Regel wird dieses Gefäss gut gefüllt, mit Inhalt, der zu gewinnenden Erkenntnissen führen kann.

Share This