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Anne Challandes
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Mein achtsamer Blick:

 

Roger Staub
Geschäftsleiter von Pro Mente Sana

Besser spät als nie!

In den letzten Wochen haben 143 – Die Dargebotene Hand und die Stiftung Pro Mente Sana versucht, das Thema psychische Gesundheit der Jugendlichen (endlich) auf die politische Agenda zu bringen. Kommen wir damit nicht zu spät mit unserer Forderung, sofort 100 Millionen Franken für die Linderung der Folgen der Corona-Pandemie bereitzustellen, nachdem schon länger Lockerungen für junge Menschen gelten und dank offener Restaurants Normalität einzukehren scheint?

Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist es um die psychische Gesundheit der jungen Menschen in der Schweiz schlecht bestellt. Mit Corona ist das Thema zwar häufiger in die Medien gekommen, aber ohne Konsequenzen bei den Corona-Massnahmen. Ausser einem «Nationalen Aktionstag» am 10. Dezember 2020 ist nichts passiert, obwohl niemand bestreitet, dass die Pandemie bereits belastete Menschen und vor allem Jugendliche psychisch stark mitgenommen hat.

Wir plädieren dafür, dass auf der Grundlage des COVID-19-Gesetzes jetzt endlich auch die psychischen Schäden der Pandemie gelindert werden. Wir haben richtigerweise drastische Schutzmassnahmen umgesetzt und Milliarden in die Wirtschaft investiert, um die Folgen zu lindern.

Und nur schon das Gratis-Schnelltest-Programm ist dem Bundesrat eine Milliarde Franken wert. Jetzt ist es höchste Zeit, auch die psychischen Folgen zu lindern. Die Tatsache, dass es zu wenige psychologische/psychiatrische Angebote für Jugendliche gibt, hatte in den letzten Wochen Konjunktur.

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Solche Angebote waren schon vor der Pandemie bekanntermassen knapp und nichts passiert. Man müsste aber auch nicht warten, bis professionelle Hilfe notwendig ist: Gesundheitsförderung, Prävention und Früherkennung sind erfunden. Nur sind sie in der Schweiz seit Jahrzehnten unterfinanziert. Man begnügt sich mit «Pflästerchen».

Wir fordern, dass nun in die bestehenden Kampagnen «santépsy» (in der lateinischen Schweiz) und «Wie geht’s dir?» (in den Deutschschweizer Kantonen) investiert wird, damit die Kampagnen sichtbarer werden. Und wir fordern, dass die Hilfsangebote der privaten Organisationen und Hilfswerke mit Bundesgeld sofort ausgebaut werden, damit Jugendliche, junge Erwachsene, aber auch Eltern und Lehrpersonen Rat und Hilfe finden, denn: Gespräche entlasten!

Über die Hälfte aller psychischen Erkrankungen beginnt vor dem 18. Altersjahr. Die Erwachsenen, denen Jugendliche anvertraut sind, erkennen die Anzeichen von psychischen Erkrankungen meistens nicht und halten sie für «Pubertätsprobleme», die vorbeigehen würden. Eine unbehandelte psychische Erkrankung beeinträchtigt aber erwiesenermassen den Schulerfolg und damit die Berufsbildungschancen.

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sollten wir alles tun, damit jungen Menschen der Start ins Berufsleben optimal gelingt. Eine wegen Corona verlorene Generation können wir uns nicht leisten. Das wird viel teurer als die paar Dutzend Millionen, die es jetzt für die Stärkung der psychischen Gesundheit braucht.

Roger Staub ist Geschäftsleiter von Pro Mente Sana.

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