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Der Maler Saype, der Franzose Guillaume Legros, realisiert seine Kunstwerke in der Landschaft. Dadurch veredelt er die Umwelt und macht aus seiner Mission ein Erlebnis. Denn Saype hat eine klare Botschaft: Sein Name setzt sich aus say und peace zusammen: Sage Frieden.

von Anton Ladner 

Wer Distanz nimmt, gewinnt Überblick. Was in der Psychologie hilfreich ist, löst bei Saype Emotionen aus. Denn seine Landschaftsgemälde sind nur auf Distanz erlebbar. Der 32-Jährige sprayt die biologisch abbaubaren Farben aus Kohle, Kreide, Milcheiweiss und Wasser so grossflächig in die Landschaft, dass seine Werke erst mit Abstand Formen annehmen. Sie erlangen dadurch die Bedeutung von aus der Natur gewachsenen Mahnmalen. Allerdings nur vorübergehend, weil die Arbeiten von Saype – wie das Leben – vergänglich sind. Er lässt ihm wahrsten Sinne des Wortes Gras darüber wachsen. «Ich habe mir immer zum Ziel gesetzt, in den Köpfen und Erinnerungen der Menschen etwas zu bewirken, ohne grosse Spuren zu hinterlassen. Dass sich die Leute meine Arbeit wieder aneignen, indem sie über sie hinweggehen, ist für mich kein Problem. Ich male auf etwas Unbeständigem, das sich ständig verändert», sagt er in einem Interview mit The Guardian. «Ich male, ich komme am nächsten Tag wieder und es ist anders. Die Leute sagen, es sei flüchtig, kurzlebig. Aber das ist mein Punkt – ist das nicht alles?»

Eines seiner ersten grossflächigen Werke realisierte er 2016 in Leysin, eine 10 000 Quadratmeter grosse Malerei, die einen Pfeife rauchendenden Hirten zeigt. Es ist eine Einladung zur Gelassenheit, zum Akzeptieren des Lebens, wie es sich gestaltet. Heute ist Saype ein international renommierter Künstler. Das interkontinentale Projekt «Jenseits der Mauern» verwirklichte er ab 2019 in 20 Ländern. Zwei Hände fassen sich und stehen für die Einladung, die grösste Menschenkette zu bilden. Sie war zu sehen neben dem Eiffelturm in Paris, in Berlin, in Genf, Turin und Andorra. Dann zog sie sich nach Ouagadougou, Burkina Faso, und Yamoussoukro, Hauptstadt der Elfenbeinküste. Die nächsten Stationen sind Ozeanien und Amerika.

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Grafitis unter Brücken
1989 in Belfort geboren, die Mutter Röntgenassistentin, der Vater in der IT-Branche, zog Saype 2011 nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger in die Schweiz nach Gruyère, wo er mit seinem ruhenden Hirten als Autodidakt 2016 Bekanntheit erlangte. Aber bereits als 13-Jähriger schuf er Graffiti unter Brücken und auf Zügen als Adrenalinkick und Möglichkeit, in der Gesellschaft wahrgenommen zu werden. 2018 folgte das grossflächige Kunstwerk «Kleines Mädchen mit Boot» in Genf. Mit dieser Arbeit unterstützte Saype die Organisation «SOS Méditerranée», die den Flüchtlingen im Mittelmeer beisteht.

Heute lebt der Künstler in Delémont, sein Urgrossvater stammte aus Biel. Das humanistische Engagement für Achtsamkeit führte Saype fast logischerweise zu den Vereinigten Nationen, die für internationale Solidarität steht. Immer wieder betont der Maler: «Nur gemeinsam können die Herausforderungen der heutigen Zeit gemeistert werden.» Die Schweizer Regierung beauftragte Saype 2020 zum 75. Jahrestag der UNO-Charta, das Kunstwerk «World in Progress» auf 6000 Quadratmetern im Park des Völkerbundpalasts in Genf zu gestalten. Auf 11 000 Quadratmetern realisierte er jetzt vor dem UNO-Hauptsitz in New York das Werk «World in Progress II» − wiederum ein Geschenk der Schweiz an die UNO. Zwei riesige Kinder sitzen auf dem Rasen und fertigen aus Papier Friedenstauben. Bundesrat Ignazio Cassis hat das Fresko auf Gras Mitte September UNO-Generalsekretär António Guterres offiziell übergeben. Die Schweiz bewirbt sich für einen Sitz im Sicherheitsrat in den Jahren 2023 und 2024. Entscheiden darüber wird 2022 die UNO-Generalversammlung. Für was die Schweiz steht, hat Saype vor der UNO dokumentiert. Für die Friedensförderung – so wie er.

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