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Anne Challandes
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Mein achtsamer Blick:

 

Sibylle Müller,
Präsidentin der Schweizer Gruppe für Hippotherapie-K

 

Freiheit auf dem Rücken der Pferde

Wenn es draussen herbstlich wird und sich die Blätter verfärben, gibt es doch einfach nichts Schöneres als einen Waldspaziergang. Das Farbenspiel der Blätter, der herbstliche Geruch und natürlich auch das Rascheln der Blätter sind ein grossartiges Erlebnis, welches die meisten Menschen ohne viel Aufwand geniessen können und als selbstverständlich erachtet wird.

Leider gilt dies jedoch nicht für alle. Wer aufgrund einer Gangstörung, wie sie häufig bei Multipler Sklerose (MS) auftritt, nicht mehr in der Lage ist, sich ohne Hilfsmittel fortzubewegen, für den ist ein solcher Waldspaziergang schon fast mit der Besteigung des Mount Everest vergleichbar. Mit einem Rollator über den unebenen Waldboden zu gehen ist sehr umständlich und auch die meisten Rollstühle sind fernab geteerter Wege kaum zu gebrauchen. Umso verständlicher ist es da, dass die wöchentliche Hippotherapie im Wald für viele MS-Patienten das Highlight der Woche ist.

Hippotherapie-K ist eine physiotherapeutische Behandlungsmassnahme, welche mithilfe eines Pferdes im Freien stattfindet. Die Bewegungsübertragung vom Pferderücken auf den Menschen wird dabei als Training für die Bauch- und Rückenmuskulatur genutzt und hilft, verspannte Muskeln zu lösen.

Die Pferde stehen ruhig und geduldig still, bis die Patienten mithilfe einer Aufstiegsrampe und Unterstützung des Therapeuten aufgesessen sind. Nun geht es los und das Pferd wird vom Pferdeführer mit dem Therapeuten an der Seite des Patienten über den Feldweg in den Wald geführt. Dabei wird einem Menschen mit einer Mobilitätseinschränkung die Möglichkeit geboten, sich wie von selbst durch den Wald bewegen zu können. Für einmal spielen die beeinträchtigten Beine keine Rolle mehr. Eine Patientin hat mir einmal erzählt, dass sich das Reiten wie ein Stück Freiheit anfühle. Eine Freiheit, die die Krankheit vielen Betroffenen im Alltag längst geraubt hat. Die strahlenden Gesichter unserer Patienten sprechen Bände und zeigen uns immer wieder aufs Neue, dass die Hippotherapie so viel mehr ist als «nur» ein Muskeltraining.

Es führt auch uns Hippotherapeuten und Pferdeführern regelmässig deutlich vor Augen, wie dankbar wir sein dürfen, dass wir uns selbst fortbewegen und die Wege, auf denen wir gehen, selbst bestimmen können.

Also wenn ihr könnt, nehmt euch mal wieder Zeit für einen Waldspaziergang und hört nicht auf, dafür dankbar zu sein.

Sibylle Müller, Präsidentin der Schweizer Gruppe für Hippotherapie-K und Inhaberin «Mobile Hippotherapie-K». Um die Solidarität für MS-Betroffene zu stärken, hat die mobile Hippotherapie mit allen fünf Therapiepferden und ihren MS-Patienten am MS Walk im September unter dem Motto «Jeder auf seiner eigenen Strecke, aber nie alleine!» teilgenommen.

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