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Zirp – summ – raschel – piep …?

 

Meldungen über die schwindende Artenvielfalt in unserem Land häufen sich. Die Schweiz weist im Vergleich mit anderen OECD-Ländern die höchste Anzahl bedrohter Arten auf und hat am wenigsten Fläche unter Schutz gestellt. Seit 2012 gibt es zwar eine «Strategie Biodiversität» mit dem Ziel, die biologische Vielfalt in der Schweiz langfristig zu erhalten und zu stärken.

Acht Jahre später ist aber noch immer nicht absehbar, ob und wann die dringend nötigen Massnahmen zur Erreichung dieses Ziels ergriffen werden. Ausserdem ist der Naturschutz nach wie vor chronisch unterfinanziert. Das Geld reicht nicht einmal, um die verfassungsmässig geschützten Moore zu pflegen.

 

Die Gesetzgebung zum Schutz von Natur, Biodiversität, Landschaft und kulturellem Erbe wird immer wieder zugunsten von Nutzerinteressen angegriffen. Zum Beispiel wenn es darum geht, touristische oder landwirtschaftliche Infrastrukturprojekte in geschützten Gebieten umzusetzen. Wenn es so weitergeht, wird bald jeder Quadratmeter in unserem Land überbaut oder intensiv bewirtschaftet sein. Sieht so die Schweiz aus, die wir unseren Nachkommen hinterlassen wollen?

 

Politik und Behörden versagen, wenn es darum geht, die Reichtümer der Schweiz und mit ihnen unsere Lebensgrundlagen für die Zukunft zu sichern. Darum braucht es die Biodiversitätsinitiative. Diese verlangt, dass der Schutz der Natur, der Landschaft und des baukulturellen Erbes als gemeinsame Aufgabe von Bund und Kantonen in der Verfassung gestärkt wird. Ausserdem fordert die Initiative mehr Fläche für die Biodiversität, Instrumente, um diese Flächen zu sichern (wie beispielsweise neue Inventare, einen Sachplan oder ein Konzept), sowie mehr Geld für den Unterhalt dieser Flächen.

 

Die Biodiversitätsinitiative bietet damit die grosse Chance, das noch verbliebene Natur- und Landschaftskapital der Schweiz zu bewahren. Wir müssen nun rasch handeln, bevor es zu spät ist! Viele Wirtschaftszweige – von der Nahrungsmittelproduktion über die Pharmaindustrie und die Holzwirtschaft bis hin zum Tourismus – sind angewiesen auf funktionierende Ökosysteme. Investitionen in die Biodiversität dienen daher nicht «nur» der Natur. Sie schaffen Arbeitsplätze und kommen damit der gesamten Gesellschaft zugute.

 

Simona Kobel ist Biologin und Projektleiterin der Biodiversitätsinitiative.

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