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Über den bevorstehenden Tagen liegt der Schatten des Bedeutungsverlustes. In der derzeitigen Krise ist es entscheidend, Sinn zu spüren. Er liegt jedoch nicht darin, keine Pläne zu schmieden, damit nichts schiefgehen kann.

von Anton Ladner

 

Sehr viel ist wieder unberechenbar geworden. Da erscheint es klug, keine Pläne zu machen, um sich Enttäuschungen zu ersparen. Macht es überhaupt noch einen Sinn, in diesem Jahr unter den Corona-Einschränkungen richtig Weihnachten zu feiern? Und der Silvester – besser einfach ignorieren als nur im kleinsten Rahmen feiern? Diese Fragen stellen sich immer mehr. Die Einschränkungen bei den sozialen Kontakten führen zu einem Bedeutungsverlust. Soll man sich dem einfach hingeben? Sich den Fakten beugen?

 

Wer auf eine emotionale Selbstfürsorge bedacht ist, wählt einen anderen Weg. Denn es ist belegt, wer aktiv seine Umgebung gestaltet, fühlt sich mental und körperlich besser. Das vermittelt ein Gefühl der Kontrolle in einer Zeit, in der sehr viel der gewohnten Kontrolle zu entgleiten scheint. Das Sinnerleben im Kleinen stützt und schützt. Jeder freut sich an einer prächtigen Amaryllis, an etwas weihnachtlicher Dekoration, an Kerzenlicht am Abend. Warum jetzt darauf verzichten? Im Gegenteil – jetzt erst recht. Der israelische Soziologe Aaron Antonovsky hat das Konzept der Salutogenese entwickelt. Dabei geht es darum, das, was krank macht, zu marginalisieren und das zu fördern, was sinnstiftend ist. Nicht die Frage, was macht krank, steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, was gesund hält.

 

Seit diesem Sommer trägt übrigens ein Hörsaal des Departements Gesundheit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften den Namen Aaron Antonovsky. Sein Konzept klingt einfach, ist aber in der Umsetzung nicht so leicht. Es geht darum, die Faktoren, die zufrieden stimmen, zu betonen. Die Mittel dazu findet man in sich selber, in seinem engsten Umfeld, aber auch in der Gesellschaft, indem man sich ihr nicht entzieht. Das bedeutet für die bevorstehenden Festtage, die Corona-Massnahmen, in denen ein krankmachendes Risiko steckt, nicht zu zelebrieren. Nicht wehmütig Gedanken wälzen, was jetzt alles nicht möglich ist, sondern aktiv etwas Positives gegenüberstellen. Eine Dekoration mit Zweigen, Zapfen aus dem Wald und viele Kerzen usw. Körperschutz bedeutet keinen Totalverzicht, denn Sinnerleben schützt die Psyche.

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