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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Wer die Suche nach dem optimalen Leben mit einer Selbstoptimierung gleichsetzt, beginnt eine Höllenreise. Permanente Selbstoptimierung nach äusseren Werten führt schnell in eine Sackgasse 

von Anton Ladner 

 

 

Die Werbewirtschaft ist weitgehend darauf ausgelegt, dass man als Konsumentin oder Konsument beim Kauf eines bestimmten Produkts dem perfekten Leben einen Schritt näherkommt. Volleres Haar, jünger aussehen, mit dem richtigen Bankkonto auf dem Weg zum Erfolg, und das im Auto mit einem neuen Lebensgefühl. Natürlich handelt es sich dabei um Versprechen, die nicht eingelöst werden oder nach kurzer Zeit verpuffen. Zudem setzen Unternehmen Blogger mit einer grossen Instagram-Gefolgschaft zunehmend als Marken-Botschafter ein. Menschen, die mit ihrer penetranten Selbstdarstellung die Selbstoptimierung auf die Spitze treiben. Das sind die neuen Vorbilder von Instagram, aus einer Scheinwelt, die an allen Enden und Ecken manipuliert ist.  

Dadurch verdichtet sich die Botschaft, die Selbstoptimierung sei das erstrebenswerte Ziel. Dieser Zwang zum angeblich Positiven (schöner, schlanker, besser, grösser, schneller) bleibt auf die äussere Selbstoptimierung beschränkt. Die innere Selbstoptimierung hingegen ist eine emotionale Selbstfürsorge, die sich paradoxerweise nur durch die Mitmenschen realisieren lässt. Zuwendung, Anteilnahme, Hingabe, Mitleidenschaft generieren diese Selbstoptimierung. Denn der Mensch ist in seiner Tiefe so angelegt, dass er erst volle Erfüllung erfährt, wenn er sich aus sich «herausstülpt». Er gelangt zur perfekten Selbstoptimierung, wenn er sich vergisst, wenn er in etwas aufgeht ausserhalb von sich. Das klingt etwas kompliziert, ist aber leicht erfahrbar, wenn man einem Hobby nachgeht. Musizieren, Malen, Schreiben, Gärtnern, ja auch Kochen führen zu einer Hingabe, dass man irgendwie aus sich hinauskippt. Diese Pausen vor sich selber machen erträglich, dass es kein optimales Leben gibt und das perfekte Leben nur auf Instagram stattfindet. Das Leben ist in der Regel suboptimal, oft auch schwierig. Sich mit dieser Tatsache zu arrangieren ist Teil einer gelungenen Selbstoptimierung. Dazu gehört, Ängste, Zweifel und Erschöpfung wahrzunehmen – was aus ihnen wächst, macht das perfekte Leben aus. Ein Aufeinander-Achtgeben innerhalb einer Gemeinschaft. Das hat allerdings mit jenem Leben in der Werbung und auf Instagram gar nichts zu tun.  

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