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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Wie soll man mit sich umgehen, wenn etwas fehlt? Ist der Schmerz über die Abwesenheit einer Sache überhaupt realistisch? Was als völlig logisch erscheint, ist alles andere als das. Denn die sogenannte Objektpermanenz ist eine Quelle von Täuschungen. 

von Anton Ladner 

 

 

Wenn Salz beim Pastakochen fehlt, der Kaffee ausgegangen ist oder keine Zahnpasta mehr aus der Tube kommt, wirkt das nur kurz störend. Fantasie und Kreativität sorgen schnell für Ersatz. Das Kurzzeitproblem ist gelöst und auch schnell vergessen. Erwachsene verfügen aber nicht über die Leichtigkeit von Kleinkindern. Was sie nicht sehen, gibt es nicht. Erwachsene sehen derweil Dinge, die es in ihrem Leben nicht mehr gibt, sie haben eine Objektpermanenz. Dies Abwesenheit eines Objekts kann dann bedrücken und Tage oder Wochen überschatten. Warum ist das so? Die Philosophie der Kognition, des Geistes, geht von Vorstellungen von der Welt aus. Die Philosophin Laura Gow spricht von Scheinbildern, von Vorstellungen, wie es sein sollte, die jeder hat. Ist etwas weg, scheine dieses Bild im Kopf auf. Deshalb werde permanent abgeglichen zwischen dem, was im Kopf ist, und dem, was draussen ist. Was sein soll, hängt also von der Vorstellung ab, die auch ziemlich falsch sein kann. 

Deshalb gibt es in der Forschung auch andere Erklärungsansätze für die Wahrnehmung von Abwesenheit. Der sinnliche, bei dem ein Gefühl vom Fehlenden abgeleitet wird, und der metakognitive, bei dem die Glaubensvorstellung vom Fehlenden dominiert wird. Es geht dabei um die Erwartung an das Fehlende. Fazit: Entweder rennt man Scheinbildern im Kopf nach (kognitiver Ansatz) oder Glaubensvorstellungen (metakognitiver Ansatz) oder diffusen Gefühlen, die ein Gegenstand auslösen kann. Gemeinsam haben die drei Ansätze der Forschung, dass die Empfindung darüber, wenn etwas fehlt oder weg ist, ziemlich irrational ist. Der Verlust eines Fahrrades, das man zwei Jahre nicht benützt hat, eines Halstuchs, das man einmal im Jahr trägt, kann starke negative Gefühle generieren, die in keinem Verhältnis zum objektiv daraus resultierenden Verlust stehen. Fazit 2: Wenn etwas fehlt und vielleicht für immer weg ist, kann man die Gefühle darüber steuern. Eine ehrliche Rechenschaft über den tatsächlichen Nutzwert des Fehlenden hilft sehr.  

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