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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Was kann ein Mann aus seiner Vaterrolle für seine Selbstfürsorge generieren? Wenig, meinen viele Väter, weil sie ihr Vatersein mit kümmern, sorgen und helfen in Verbindung setzen.

von Anton Ladner 

 

 

Die Corona-Pandemie hat den Vätern neue Erfahrungen eröffnet: Mütter haben in der Pandemie zwar nach wie vor den grössten Anteil der Familienarbeit übernommen. Doch der Sorgenanteil der Väter ist im Verhältnis deutlich höher ausgefallen. 2019 kümmerten sich Väter rund 2,8 Stunden pro Tag um ihre Kinder und die damit verbundene Arbeit. Im Frühjahr 2020 waren es aber 5,3 Stunden am Tag. Das geht aus dem Väterreport 2021 der deutschen Bundesregierung hervor. Diese Zahlen dürften auch im Grossen und Ganzen für die Schweiz gelten.

Laut dem Bericht ist die Vaterrolle jedoch schon seit Jahren im Wandel. Heute unterstützen sich die Partner besser in der Kindererziehung als früher. 48 Prozent der Väter wünschen sich eine partnerschaftliche Aufgabenverteilung von Familie und Beruf. 55 Prozent der Väter möchten gerne die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. Die Wünsche und die Wirklichkeit liegen allerdings immer noch weit auseinander. Das hängt auch stark mit der Aussen- und Innensicht der Vaterrolle zusammen. 80 Prozent der deutschen Bevölkerung erwarten heute von einem Vater, dass er mit seinen Kindern möglichst viel Zeit verbringt. Viele Väter verstecken sich aber auch gerne hinter ihrer Arbeit und lassen es gerne etwas später werden, um sich bei Kleinkindern dem Abendzirkus zu entziehen. Das ist ein Muster, das sich auch nach der Adoleszenz – natürlich in veränderter Form – fortsetzt. Denn Vatersein wird von Männern gerne auf kümmern, helfen und vor allem bezahlen reduziert, auf eine eindimensionale Angelegenheit.

Warum hört man Männer so wenig über ihre Kinder sprechen, vor allem über ihre Söhne? Und wenn, dann nur über besondere Leistungen. Es bleibt derweil unter Verschluss, warum man sich als Vater über seinen Nachwuchs freut, was er bedeutet, wie er bereichert. Durch diese Nicht-Benennung wird aber eine bewusste Wahrnehmung verbaut. Der Vater, der in der Lage ist, seine Gefühle zu benennen, die ihm sein Nachwuchs generiert, wird erst dadurch zum vollen Mann. Viele Männer sehen aber genau dadurch ihre Männlichkeit bedroht. Mit kognitiver Wahrnehmung, mit der auf Sinneseindrücken beruhenden Verarbeitung, lässt sich dieser Widerspruch leicht durchbrechen.

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